Nachhaltig gut wirtschaften

Bei der Vergabe von Aufträgen bedeutet für uns Nachhaltigkeit: vom lokalen Profi gemacht und dadurch langlebig. Der Preis? Soll für uns in diesem Fall zweitrangig sein.

Wenn von Nachhaltigkeit gesprochen wird, denken viele zuerst an ökologische Aspekte: kurze Transportwege, regionale Blumen, umweltfreundliche Verpackungen. Dabei wird oft vergessen, dass Nachhaltigkeit drei Dimensionen hat – eine ökologische, eine soziale und eine wirtschaftliche. In diesem Beitrag möchte ich den Blick auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit richten.

Wirtschaftlich nachhaltig handeln heißt, ein Blumengeschäft so zu führen, dass es langfristig tragfähig bleibt. Das bedeutet: Ressourcen verantwortungsvoll einsetzen, die Existenz des Betriebs sichern, faire Löhne bezahlen können und zugleich das eigene Handwerk wertschätzen.

Es ist ein offenes Geheimnis: unsere Branche ist für tiefe Löhne und anspruchsvolle wirtschaftliche Bedingungen bekannt. Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, ökologisch sauber zu arbeiten – sondern auch, wirtschaftlich stabil zu sein. Dafür braucht es Mut, betriebswirtschaftliches Denken und klare Entscheidungen.

Hier meine fünf Ansätze, wie wirtschaftliche Nachhaltigkeit im Blumengeschäft gelingen kann:

Weniger ist mehr: Der bewusste Verzicht auf übermäßigen Materialeinkauf – bei Blumen, Gefäßen oder Dekorationsartikeln – reduziert Ausschuss, Abfall und Kapitalbindung. Weniger wegwerfen heißt mehr verdienen. Das ist ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.

Verkaufsskills stärken: In vielen Blumengeschäften findet selten ein richtiges Verkaufsgespräch statt. Florist:innen sollten lernen, die Bedürfnisse und Zahlungsbereitschaft ihrer Kund:innen besser zu erkennen. Ein abschlussorientiertes Gespräch kann den Durchschnittsumsatz deutlich erhöhen.

24-Stunden-Angebote schaffen: Spontane Blumenkäufe passieren selten zwischen 9 und 19 Uhr. Bauern machen es mit Hofläden längst vor – warum nicht auch Florist:innen? Selbstbedienungsläden oder gekühlte Blumenautomaten ermöglichen Umsatz, wenn der Laden geschlossen ist.

Saisonale Preisgestaltung: In anderen Branchen ist es selbstverständlich, dass Preise je nach Saison variieren. Ein Strauß am Valentinstag oder Muttertag darf mehr kosten – Kund:innen sind das von Reisen, Hotels oder Skitickets gewohnt.

Mut zur Lücke: Nicht jeder Auftrag lohnt sich. Aufträge, die keine vernünftige Marge erzielen, sollten abgelehnt werden. Sie schaden langfristig der Wirtschaftlichkeit und dem Berufsimage. Qualität darf ihren Preis haben.

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit ist keine kalte Zahlenspielerei, sondern ein Ausdruck von Selbstwert und Weitsicht. Wenn wir als Branche lernen, unsere Arbeit betriebswirtschaftlicher zu denken und fair zu bepreisen, schaffen wir die Basis für faire Löhne, motivierte Mitarbeitende und eine florierende Zukunft.


Thomas Meier, Geschäftsführer florist.ch